Šibenik – meine Herzensangelegenheit inmitten von Dalmatien

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In Šibenik begleiten mich immer Michael und Jakob!

Wie sehr mir Šibenik ans Herz gewachsen ist, zeigt das stilisierte Panorama dieser Stadt auf der Titelseite meines Buches “Kroatien“. Ich verbinde Šibenik nämlich mit zwei Menschen, die mir sehr viel bedeuten: Der Schutzpatron Šibeniks ist der Erzengel Michael, nach dem mein Mann benannt ist. Zudem ist das Wahrzeichen der Stadt, die Kathedrale des heiligen Jakobus, dem Schutzpatron der Pilger geweiht, dessen Namen auch unser Sohn Jakob trägt. Kein Wunder also, dass die Statue des heiligen Michael auf dem Dach der Jakobskathedrale das Erste ist, was mir einfällt, wenn ich an Šibenik denke.

Warum gerade der Erzengel Michael der Schutzpatron Šibeniks ist, wird klar, wenn man einen Blick auf die Landkarte Europas wirft: Die Stadt liegt fast auf demselben Längengrad wie die etwas mehr als 200 Kilometer entfernte italienische Halbinsel Gargano, von der aus sich die Verehrung Michaels über den ganzen Kontinent verbreitete. Šibenik befindet sich inmitten von Dalmatien, jener Region, die einer der bekanntesten Hunderassen der Welt ihren Namen gab – dem Dalmatiner, dessen Popularität vor allem durch Disneys Film 101 Dalmatiner geprägt wurde. Das im Jahr 2025 in Šibenik eröffnete Haus des dalmatinischen Hundes („Kuća dalmatinskog psa“) war im September 2026 Mitorganisator der weltweit größten Ausstellung von Hundezeichnungen.  Für diesen Erfolg wurde ein Guinness-World-Records-Zertifikat verliehen!

Vom Meer aus wird Šibenik vom Kanal des heiligen Antonius sowie von der Festung des heiligen Nikolaus bewacht, der zweiten UNESCO-Welterbestätte in Šibenik. Von der Landseite schützt der Fluss Krka die Stadt – für mich einer der schönsten Flüsse Kroatiens. An den Krka-Wasserfällen wurde 1895 das Wasserkraftwerk Jaruga errichtet. Es gehörte zu den ersten Wasserkraftwerken der Welt und war das erste in Europa, das eine Stadt mit Wechselstrom versorgte. Erst vor Kurzem erfuhr ich, dass Jaruga seinen Betrieb nur zwei Tage nach dem berühmten Kraftwerk an den Niagarafällen aufnahm. Šibenik wurde so zu einem Vorreiter der europäischen Elektrifizierung.

Die Wasserfälle, Seen und Schluchten des Flusses Krka stehen seit 1985 als Nationalpark unter Schutz und sind von Šibenik aus in weniger als einer halben Stunde erreichbar. Doch die Umgebung der Stadt hat noch eine weitere Naturattraktion von Weltrang zu bieten: Der südliche Teil des Šibeniker Archipels gehört zum Nationalpark Kornaten. Wer nur einmal durch die Kornaten gefahren ist, versteht sofort, warum sie als Paradies für Segler gelten.

Während die Ursprünge der meisten dalmatinischen Städte bis in die Antike zurückreichen, ist Šibenik die erste bedeutende kroatische Stadt, die weder von den Griechen noch von den Römern gegründet wurde. Erstmals wurde die Stadt im Jahr 1066 in einer Urkunde des kroatischen Königs Petar Krešimir IV. erwähnt. Die Stadt entwickelte sich rund um die Festung des heiligen Michael, die mich jedes Mal besonders anzieht, auch wegen der persönlichen Verbindung zu diesem Namen.

Das berühmteste Bauwerk Šibeniks, die Kathedrale des heiligen Jakobus, wurde zwischen 1431 und 1536 an der Stelle einer älteren Jakobuskirche erbaut. Bis heute frage ich mich allerdings, warum gerade der Apostel Jakobus der Ältere in Šibenik eine so herausragende Rolle spielt. Falls jemand die Antwort kennt, freue ich mich über jeden Hinweis.

Als Meisterwerk der Gotik und Renaissance befindet sich die Kathedrale des heiligen Jakobus seit dem Jahr 2000 auf der UNESCO-Welterbeliste. Sie wurde vollständig aus Stein errichtet, ohne Mörtel oder andere Bindemittel. Es hat mich überrascht, wie viele Touristen die Köpfe fotografieren, die in ihre Außenwände gemeißelt sind. Interessanterweise stellt dieses faszinierende steinerne Porträtalbum keine Heiligen dar, sondern gilt als Darstellung tatsächlicher Bürger Šibeniks aus dem 15. Jahrhundert.

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts prägten der Schiffbau sowie die Metall- und Chemieindustrie das Leben der Stadt. Umso beeindruckender ist der Wandel der vergangenen zwanzig Jahre, in denen dank europäischer Fördermittel vier historische Festungen restauriert wurden. Heute sind sie nicht nur Museen, sondern auch außergewöhnliche Veranstaltungsorte. Bei Konzerten von Robert Plant, The Prodigy, Gang of Four, Lorde (deren Mutter Kroatin ist und aus Dalmatien stammt!) sowie vielen anderen bekannten internationalen Musikern konnte das Publikum gleichzeitig einen spektakulären Blick auf die Altstadt und die umliegenden Inseln genießen.

Doch so faszinierend Geschichte und Landschaft auch sind – den wahren Charakter einer Stadt prägen ihre Menschen. Mit Faust Vrančić und Dražen Petrović hat Šibenik zwei Persönlichkeiten hervorgebracht, die weit über die Grenzen Kroatiens hinaus bekannt wurden: den einen als genialen Erfinder der Renaissance, den anderen als einen der größten europäischen Basketballspieler aller Zeiten. Sie stehen beispielhaft für den Erfindergeist, die Kreativität und das Talent dieser dalmatinischen Stadt.

Parallel zum Ausbau hochwertiger Unterkünfte hat sich in Šibenik auch die Gastronomie hervorragend entwickelt. Heute kann die Stadt mit tollen Restaurants aufwarten, in denen sich die traditionelle dalmatinische Küche mit moderner Kochkunst verbindet –  gerne gebe ich auch persönliche Empfehlungen! Neben ausgezeichnetem Essen und Wein können die Besucher das ganze Jahr über ein abwechslungsreiches Kulturprogramm genießen, vom renommierten Internationalen Kinderfestival bis hin zu Konzerten und zahlreichen Sommerveranstaltungen. Ich wünsche mir deshalb, dass Šibenik beim nächsten Mal, wenn ich meine deutschen Freunde frage, welche kroatischen Städte ihnen als Erstes einfallen, wenn sie eine Reise nach Kroatien planen, den Platz einnimmt, der dieser besonderen Stadt gebührt.

 

 

Fotos: Tourismusverband der Stadt Šibenik, Tourismusverband der Region Šibenik-Knin, croatia.hr, eigenes Archiv